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Berichte aus dem Colegio

Neuorganisation der Verwaltung

Selten ist von Ihnen die Rede, aber ohne sie läuft nichts: Die guten Geister des Colegio, die Pförtner, Fahrer, Handwerker, Buchhalter, IT-Spezialisten, Köchinnen, Sicherheitsleute und schließlich die unverzichtbare Schulsekretärin. Alle bekommt man nie aufs Foto. Aber hier ist eine kleine Auswahl, die an Karneval Ch´allar feierten: Der Mutter Erde (Pacha Mama) wird ein Trankopfer gebracht, damit die Autos unfallfrei bleiben und die Einrichtung heil bleibt. Natürlich war auch Schwester Christina mit dem Weihwasserkessel dabei. Von links: Luis, der Buchhalter, Jimena, die Schulsekretärin, Alberto, der Verkäufer der Schulmaterialien, die zweite Buchhalterin, der Fahrer und Victor, der fröhliche Pförtner.

Sie alle spielen die Hauptrolle in der Neuorganisation der Verwaltung des Colegio. Eduard Heußen, ein Experte des Senior-Experten-Service des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit war im Februar zum zweiten Male in La Paz, um die Verwaltung so aufzustellen, dass sie von einer Verwalterin geführt und die Priorin Schwester Christine entlastet werden kann. Der Betrieb für 4000 Schülerinnen und Schüler muss laufen und Schwester Christine will sich auf die pädagogischen Aufgaben konzentrieren. Früher hat sie als Priorin alles selber geleitet. Hier eine Aufnahme aus der Küche, in der das Pausenessen vorbereitet wird.

Zweimal vier Wochen Entwicklungs- und Beratungszeit haben es möglich gemacht, dass die neue Verwaltungsdirektorin zusätzlich zu der großen Schule die beiden Landgüter, die beiden Internate, die Kindertagesstätte und den Hort steuert. Sie hat dazu Teams für Küche, Reinigung, Gebäudewirtschaft, Buchhaltung und Personalwirtschaft, Informationstechnologie, Fahrer, Rechtsbeistand, Pförtner und Sicherheitsleute und eben auch die Bauern in Achocalla und Sapahaqui. Hier leitet Priorin Schwester Christine eine Sitzung mit der neuen Verwalterin Maria Luisa Bozo Revollo , dem Finanzberater Carlos Martins (rechts) und Eduard Heußen aus Berlin (links).

Bericht von Herrn Eduard Heußen

Deutschunterricht am Colegio Ave María

Bis zu 45 Schülerinnen und Schüler sind in einer der vielen Klassen, die am Colegio Boliviano Aleman Ave Maria Deutsch lernen – für die unterrichtenden Lehrkräfte eine große Herausforderung! Wie bringt man so vielen Schülern möglichst effektiv eine neue Sprache bei? Und wie schafft man es, dass dabei möglichst jeder zum Sprechen kommt? Nur wer sich in einer fremden Sprache ausdrücken kann, hat Spaß, sie zu lernen. Die engagierten Deutschlehrer am Colegio haben sich dazu mit den vom Senior-Expert-Service geschickten Schulberatern Ingke Brodersen und Eduard Heußen zusammengetan, um eine Neuorganisation des Unterrichts zu planen.
Schüler lernen eigenständig
Zuerst wurden die Klassenräume umgestellt: Weg von den frontal ausgerichteten und hintereinander stehenden Bänken hin zu Gruppentischen, an denen die Schüler zusammen arbeiten.
Sie schauen ihre Gruppenmitglieder an, nicht mehr, versteckt hinter dem Rücken anderer, auf die Lehrerin oder den Lehrer vorn. Sie arbeiten selbständig in und mit ihrer Gruppe an einem Arbeitsauftrag. Erst wenn alle damit fertig sind, wird das Ergebnis in der Klasse präsentiert. Für die Schüler ist diese Form des Lernens etwas Neues: Sie müssen jetzt sehr viel eigenständiger lernen und Verantwortung für ihr Team übernehmen, das verlangt ihnen viel ab, aber sie profitieren auch für ihre Zukunft davon. Teamfähigkeit ist wichtig.

Der Sprechtisch
Ein Gruppenarbeitstisch hat eine Sonderaufgabe: Er ist der „Sprechtisch". An ihm wird, unter Anleitung der Lehrkraft, nur gesprochen. Was hast du gestern gemacht? Was kannst du uns über deine Stadt erzählen? Was ist dein Traum für die Zukunft? Solche oder andere Fragen werden den Schülern an diesem Tisch gestellt, und sie müssen frei und zusammenhängend sprechen. In der nächsten Unterrichtsstunde räumen sie ihre Plätze für andere Schüler.

Warm-up-Sprechen
Aber auch andere in der Klasse sollen beim Sprechen nicht zu kurz kommen. Deswegen beginnt jede Stunde mit kleinen Warm-up-Sprechübungen. Welches Datum haben wir heute? Wie ist das Wetter? Wann bist du heute Morgen aufgestanden?

Konzentration auf die Kernkompetenzen
Es gibt viele gute Deutsch-Lehrbücher. Aber nicht alles darin muss man abarbeiten. Wichtiger ist es zu erkennen, welche Kernkompetenzen für die deutsche Sprache unerlässlich sind – die Zeiten beispielsweise, die vielen Präpositionen, mit denen man sich herumschlägt. Deswegen forsten die Lehrer jetzt die Kursbücher durch und „entschlacken" sie, damit sich der Unterricht auf das Wesentliche konzentrieren kann. Das spart Zeit, die man fürs Sprechen gewinnt.

Die neue Lehrerrolle: Teamplayer
Eine solche Reform des Unterrichts erfordert viel Arbeit, genaue Planung und Abstimmung. Für den einzelnen ist das zu viel. Deswegen arbeiten die Deutschlehrer jetzt im Team zusammen. An festen Terminen wird jedes Bimester vorbereitet, die Aufgaben werden in einem Zeit- und Maßnahmenplan festgehalten. So entsteht nach und nach ein Pool an Arbeitsmaterialien und Anregungen, die auch für künftige Unterrichtsstunden und Deutschlehrer aufgegriffen, verändert, ergänzt und wieder verwendet werden können. Das schafft Entlastung.
Bericht von Frau Ingke Brodersen